meine Transition nach dem alten TSG
Gegen Ende 2023 beantragte ich meine Personenstands- und Namensänderung beim Amtsgericht und Mitte 2024 startete meine Hormonbehandlung (HRT)
Aus "Horror"-Berichten wurden die Gutachten nach TSG als "menschenunwürdig und diskriminierend" abgetan. Da das TSG bereits seit Mai 2008 vom BGH für verfassungswidrig erklärt wurde und das Selbstbestimmungsgesetz auf sich warten lässt, beschloss ich, meinen Weg über die alten (funktionierenden) Prozesse zu beschreiten.
Mein erstes Gutachten hatte ich sehr Zeitnah. Ich hatte vor Weihnachten ´23 die Namensänderung beantragt, prompt wurden auch zwei Gutachter bestimmt um die typischen TSG-Fragen zu beantworten.
a.) Empfindet die antragstellende Person aufgrund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem männlichen, sonderm dem weiblichen Geschlecht zugehörig?
b.) Steht die antragstellende Person seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang, dieser Vorstellung entsprechend zu leben?
c.) Ist nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich das Zugehörigkeitsempfinden zum weiblichen nicht mehr ändern wird.
Diese Gutachten wurden bereits beide im Januar ´24 erstellt. Die Gutachter*innen waren sehr zuvorkommend, respektvoll und es gab zu keiner Zeit Fragen, die ich nicht für angemessen empfunden hätte. Natürlich probierte man mich auch mal aus der reserve zu locken, um meinen Standpunkt zu überprüfen. Ich für mich kann den "Horrorgeschichten ausm Paulanergarten" nicht beipflichten. Im Endeffekt muss der Gutachter bei jeder einzelnen Person prüfen, ob die oben erwähnten Fragen positiv oder negativ zu beantworten sind. Ich denke wenn man selbstsicher und authentisch auftritt, wird man jeden Gutachter davon auch überzeugen können.
Der Gerichtstermin war dann am 28.05.2024 in Stuttgart und war ein sehr kurzer Termin. Die überaus nette Richterin hatte sich gut vorbereitet und die Gutachten gelesen. Hierzu gabe es die ein oder andere neugierge Rückfrage und den wichtigen Hinweis: "Wenn Sie hier nachher rauslaufen, mit ihrem Gerichtsbeschluss und dem neuen Namen, wird sich in erster Linie nichts für Sie ändern. Sie müssen die Veränderung in Ihrem Kopf vorantreiben und wahrnehmen"
Und damit hatte sie wirklich recht. Bloß weil dann in den nächsten Wochen alle Papiere geändert wurden und überall "Lyara" stand, heißt das nicht, dass ich jetzt "mehr Frau" oder "intensiver" wie vorher war. Es ist einfach "nur" eine Anpassung der Dokumente und auch ein Stückweit eine Umkehr der Gesamtsituation. Früher war es was besonderes als Frau vor die Tür zu gehen, jede Polizeikontrolle oder jeder Griff an den Geldbeutel mit den ganzen Karten mit dem alten Namen war gewissermaßen eine Art: Ich muss mich jetzt kurz erklären. Die Bilder und der Name passten eben nicht zum äußeren Erscheinungsbild.
Mit der Namens und Personenstandsänderung war das nun genau umgekehrt. Dann ist es "ungerichtet" raus zu gehen eher ein falsches Gefühl. Ganz furchtbar für mich war die Zeit des Gesicht-Laserns: 3 Tage nicht rasieren und wachsen lassen, dass der IPL oder LLD-Laser auch die Haare entfernen konnte. Das war eine Zeit, in der ich das Haus nur sehr ungern verlassen habe. Mich sollte niemand sehen und ich wollte niemanden sehen. Es wurde mit der Zeit normal, dass ich mich eben morgends im Bad schminkte und mich richtete.
:-)