Meine Story / mein Weg
die Anfänge
ich weiß es noch wie gestern. Mit meinen Schwestern spielte ich oft "Verkleiden" und es war mir ein Fest, zu genau diesen Anlässen die Kleider meiner Schwestern tragen zu können. Und so verstand ich die Welt nicht mehr, wieso ich nicht dazu befugt war, selbst Kleider in meinem Kleiderschrank besitzen zu dürfen. So schrie ich, Erzählungen meiner Mutter zu folge, mal das Modehaus zusammen, weil ich unbedingt ein Kleid haben wollte. Meine Mutter gab mir zu Hause wirklich eins und ich lief voller Stolz zu meiner Klassenkameradin und ihrer Familie in der Nachbarschaft.
Warum diese Leute mich dann auslachten, verstand ich lange Zeit nicht und mir wurde klar, dass ich wohl nicht ganz den Maßstäben der Gesellschaft entsprach. Internet gab es zu der Zeit noch keins oder wenn dann, mit 56k Modem. Und so betete ich zum lieben Gott, dass die Krankheit die mich heimsuchte, zum 18. Geburtstag vollständig heilen würde. Ich war der festen Überzeugung, der einzige Mensch in Deutschland zu sein mit so einem "Krankheitsbild" und erzählte es auch keinem Arzt. Mit 17 Jahren fing ich eine Lehre an und lernte kurz darauf meine erste Freundin kennen. Das weibliche Geschlecht hatte einen gewissen Charme und die geballte Weiblichkeit von meiner Freundin übertraf meine kühnsten Träume. Sie besaß tolle Röcke, Kleider und Hosen, Tops und vorallem High-Heels.
Beziehung zu einer Frau
Und so kam es, dass ich, letztendlich über 16 Jahre mit einer Frau zusammenlebte und liebte. Jede von uns konnte bis zu einem Punkt ihr Leben so gestalten, wie man es für richtig hielt. Sie war die geborene Mutter und als Erzieher*in sehr sozial veranlagt. So entstanden über die Jahre 4 Kinder. Ich machte mir viel Gedanken, wie ich mein "Hobby" irgendwann mal den Kindern beibringen solle und wie sie und ihr Umfeld damit umgehen würden. Kind Nr. 3 öffnete mir dann sehr schmerzlich die Augen. In der Schwangerschaft meiner Tochter kam es zu Komplikationen und uns wurde die einschneidende Nachricht überbracht, dass unsere Tochter nicht alt werden würde, wenn sie die Geburt überlebt. Heute sehe ich dieses Ereignis als Schlüsselmoment in meinem Leben. Meine Energie wanderte bis dahin eher ins Verstecken und ins heimliche Ausleben meines Selbst. Und durch meine Tochter, die dann ihren Frieden auf meinem
Bauch fand ✝️, wurde mir klar, wie kostbar und kurz das Leben doch ist. Das eigene Leben in der Schublade zu halten und zu warten, dass es "zum richtigen Zeitpunkt" ausgepackt werden kann -> Das ist nicht das Leben, was ich wollte. Zumal der richtige Zeitpunkt, egal ob für Kinder oder die eigene Wahrheit, nie kommt. Man muss ihn sich schaffen. Es gibt nur einen Mensch, der DEIN Leben lebt, und das bist und kannst nur DU sein!
Und so lebte ich, anfänglich auch eher langsam und step-by-step meine Weiblichkeit aus. Zu meinem damaligen Job passte das nicht, so wurde es eher auf dem Abend hin verdichtet.
Kindern und vorallem neugierigen Jungs kann man nichts verheimlichen. Am Abend gingen sie oft noch Wasser trinken und mussten somit durchs Wohnzimmer laufen. Kinder haben keine Idee von Geschlechterrollen, bis die Erziehung ihnen dieses einpleult. Ich hatte mit viel gerechnet, was sie sagen oder reagieren würden, aber niemals mit den Worten:
Papa, du siehst schön aus
Meine damaligen Frau schob diese Aussage als "Erziehungsfehler meinerseits ab" Ich hätte die Kinder oberflächlich erzogen. Ihr passte mein Bild von "Frau-sein" nicht. Es sei nicht das, was "echte" Frauen machen würden.
Heute stehe ich drüber, ich trage das, was ich möchte und für wen? Nur für mich. Ich schminke mich nicht für andere, ich trage keine High-Heels für andere, sondern nur für mich. Nach bekanntwerden der erfolgreichen Schwangerschaft für Sohn Nr. 3 wurde meine Selbstentwicklung und mein almähliches Erwachen meiner Frau schnell zu viel und sie begann damit, nach erfolgreichem erreichen ihrer Lebensziele, mich so verändern zu wollen, wie sie sich mich vorstellte. Dass das crashen würde war vorprogrammiert.
Wir trennten uns noch in der Schwangerschaft -
Und nach ein paar Monaten und Klärung der Gefühlslage zog ich in meine eigenen 4 Wände, wo ich, zu jeder Zeit, sein und tragen konnte, was ich wollte. Der Startschuss für ein neues Leben war gesetzt.....
So eine Trennung ist auch eine Trennung von vielen Freunden und Bekanntschaften, die man über die Jahre gemacht und geschlossen hatte. Ich darf ehrlich sein, in der ersten Zeit ging es mir alles andere wie gut in meiner Wohnung. Kahle Einrichtung, so richtig angekommen war ich auch noch nicht. Es war unheimlich Still und alles blieb so wie ich es verließ, das kannte so nicht. Und so half mir der Fernseher, stimmen und Leben in meiner Wohnung zu imitieren, in dem er im Hintergrund lief.
Und schnell lernte ich neue, wertvolle Menschen kennen. So kam es, dass eine gute Freundin, die in ähnlichen Gefühlszuständen lebte, Wochen und Monaten bei mir verbrachte und wir uns gemeinsam aufbauen konnten und das Leben neu entdecken konnten. Wir trieben viel Sport, machten lange Spaziergänge mit sehr langen Gesprächen, kochten und entwickelten uns zusammen.
Und auch alte Bekanntschaften und Freunde kehrten zurück. Unter anderem meine neue, völlig andere Beziehung wie ich sie bisher hatte.
DIE Beziehung zu einem, nein, zu dem Mann
Wir kennen uns bereits seit über 12 Jahren. Damals übers Internet kennengelernt hatte wir doch über die Jahre immer wieder nette Abende mit viel Wein verbracht. Traditionell immer im Advent und vor Mitternacht war nicht mit ihm zu rechnen. Und unsere Gespräche und Gesprächsthemen waren für mich als sapiosexuelle Person (wenn man auf die Intelligenz des anderen abfährt) schon immer magisch und auf einem völlig anderen Niveau wie in meiner vorherigen Beziehung . Er spricht mit einer unheimlichen Ruhe und Gelassenheit und weiß zu jeder Situation einen geeigneten Rat. Das faszinierte mich damals und tut es bis heute. Natürlich legt er, genau wie ich, Wert auf ein Äußeres Erscheinungsbild und zusammen leben wir im Alltag ein sehr Bewusstes und Gesundes Leben.